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Salvia divinorum — warum der mazatekische Rahmen nicht verhandelbar ist

Für visionäre Arbeit trägt INFUSE langsamere Wege — zeremonieller Maya-Kakao, Beifuß der Traumschwellen, verifizierter Blauer Lotus aus Ägypten. Salvia divinorum wird niemals einer davon sein: die Pastora del Cielo gehört den mazatekischen curanderas, und María Sabina hat uns gewarnt.

Der Name als Signatur

Salvia divinorum bedeutet wörtlich 'Salbei der Wahrsager' im Lateinischen. Den Namen gaben die Botaniker Carl Epling und Carlos Játiva 1962, als sie die Art formal anhand von Exemplaren beschrieben, die R. Gordon Wasson in Huautla de Jiménez gesammelt hatte. Das Epitheton divinorum anerkennt ausdrücklich den wahrsagerischen Gebrauch der Pflanze — ein seltener Fall, in dem die europäische Botanik die rituelle Funktion unumwunden benennt.

Die mazatekischen Namen sind zahlreich, und sie offenbaren eine Kosmologie: Ska María Pastora (das Blatt der María, der Hirtin), Hierba María (das Kraut der María), Hojas de la Pastora (die Blätter der Hirtin). 'María' meint hier zugleich die christliche Jungfrau der Zeit nach der Eroberung (ein für die mazatekische Pharmakopöe typischer Synkretismus) und eine ältere Gestalt — eine weibliche Hüterin des Pflanzenwissens.

Der westliche Handelsbegriff 'sage of the seers' oder schlicht 'Salvia' (von Online-Verkäufern verwendet vor den Verboten der 2000er und 2010er Jahre) löscht die mazatekische Dimension und die weibliche Dimension des Namens vollständig aus. Diese sprachliche Einebnung ist Teil der kommerziellen Maschinerie der Entweihung.

Alternativen für visionäre Arbeit — ohne Salvia

Keine Pflanze 'ersetzt' Salvia divinorum. Doch für innere visionäre Arbeit in einem klaren Rahmen gibt es mehrere Wege.

  • Rückverfolgbarer zeremonieller Maya-Kakao — Öffnung des Herzens, körperliche Erdung, ohne Dissoziation.
  • Europäischer Beifuß (Artemisia vulgaris) — Pflanze der Traumschwellen, sanfte Vision, ohne Kurzschluss.
  • Rückverfolgbarer Blauer Lotus (Nymphaea caerulea, rückverfolgbare Herkunft aus Ägypten/Sudan) — bewusste Träumerei, zugänglich, ohne jede dissoziative Dimension.
  • Wilder Lattich (Lactuca virosa) — sanfte Beruhigung und Träumerei, eine alte europäische Tradition.
  • Begleitete Traumarbeit — die zugänglichste und risikoärmste visionäre Dimension ist höchstwahrscheinlich die Arbeit mit Träumen im natürlichen Schlaf, mit oder ohne sanfte traumtragende Pflanzen.

All diese Wege sind langsamer als Salvia. Das ist ihre Stärke, nicht ihre Schwäche.

Die Pflanze als Person

Salvia divinorum wächst in den feuchten Höhen der Sierra Mazateca, in etwa 700 bis 1.500 Metern Höhe, im oaxacanischen Nebelwald. Sie bevorzugt schattige Hänge, die Ufer von Bächen, Orte, an denen die Luftfeuchtigkeit das ganze Jahr über hoch bleibt. Diese genaue ökologische Nische — nirgendwo sonst auf der Erde in ganz derselben Gestalt zu finden — gehört zu dem, was sie ist.

Ein bemerkenswertes biologisches Merkmal: Salvia divinorum vermehrt sich fast ausschließlich auf vegetativem Weg (Stecklinge). Ihre Blüten bringen nur selten keimfähige Samen hervor. Diese reproduktive Sterilität hat die Hypothese genährt (Reisfield, 1993), dass sie eine überaus alte mazatekische Kulturform sein könnte, über Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende von den curanderas gezielt ausgelesen und vermehrt. Trifft diese Hypothese zu, ist die Pflanze selbst ein kulturelles Artefakt — ohne die mazatekische Kultur wäre sie niemals entstanden.

Die Pflanze verlangt nach der Nacht. Ihre visuellen und dissoziativen Wirkungen entfalten sich voll in der Dunkelheit; im vollen Licht verblasst die visionäre Dimension. Diese Vorliebe für die Nacht ist in die mazatekische Zeremonie eingewoben — jede Sitzung findet nach Sonnenuntergang statt, in einem dunklen Raum, manchmal bei einer einzigen Kerze.

Die mazatekische curandera spricht von La Pastora als einer Lehrerin, die schweigt. Anders als die Niños Santos (die Pilze), die reichlich sprechen, zeigt La Pastora Bilder, verschiebt die Aufmerksamkeit, öffnet Perspektiven — aber sie 'spricht' nicht. Diese Pädagogik des visuellen Schweigens verlangt einen noch präziseren Rahmen, damit sie nicht in bloßen sinnlichen Schock zusammenfällt.

Die Geschichte — María Sabina, Wasson und das, was zerbrach

Die Geschichte von La Pastora im westlichen Wissen ist untrennbar mit der von María Sabina (1894–1985) verbunden, der großen mazatekischen sabia von Huautla de Jiménez. María Sabina teilte mit ihren westlichen Besuchern sowohl die Niños Santos (Psilocybe) als auch, seltener, La Pastora. Im Rahmen der Forschungen von R. Gordon Wasson 1961–1962 trat Salvia divinorum formal in die Weltbotanik ein.

Doch dieser Eintritt in die westliche Wissenschaft hatte seinen Preis. Nach Wassons Gründungsartikel im Life Magazine (1957) über die mazatekischen Pilze — und später über La Pastora — wurde Huautla de Jiménez in den 1960er und 1970er Jahren zu einem Ziel des psychedelischen Tourismus. Hippies, Forscher, bloß Neugierige strömten herbei. Dieser Druck brachte die mazatekische rituelle Weitergabe tief durcheinander.

Gegen Ende ihres Lebens erklärte María Sabina selbst öffentlich: « Antes de Wasson, los Niños Santos me dieron poder. Después de Wasson, perdieron su pureza. Esta es la verdad. » ('Vor Wasson gaben mir die Heiligen Kinder Kraft. Nach Wasson verloren sie ihre Reinheit. Das ist die Wahrheit.') Diese Aussage, überliefert von Álvaro Estrada in María Sabina: vida y cantos (1977), ist einer der Gründungstexte der zeitgenössischen indigenen Kritik am spirituellen Tourismus.

María Sabina verlor ihren Sohn Aurelio unter gewaltsamen Umständen, die indirekt mit der Anwesenheit der Touristen verbunden waren. Sie beendete ihre Tage in Armut, an den Rand gedrängt von einem Teil ihrer eigenen Gemeinschaft, der ihr vorwarf, die Medizin an Fremde 'gegeben' zu haben. Diese persönliche Tragödie gehört in den Kontext jeder westlichen Erwähnung von La Pastora.

Auf wissenschaftlicher Seite wurde Salvinorin A — das wichtigste aktive Alkaloid — in den 1990er Jahren von Daniel Siebert isoliert und charakterisiert. Seine Entdeckung offenbarte ein einzigartiges pharmakologisches Profil: ein selektiver Kappa-Opioid-Agonist von extremer Wirkstärke (beim Inhalieren bei 200 Mikrogramm aktiv), mit einem Mechanismus, der sich völlig von jedem anderen bekannten Psychedelikum unterscheidet (die auf die serotonergen 5-HT2A-Rezeptoren wirken).

Diese wissenschaftliche Besonderheit hat biomedizinisches Interesse an Salvinorin A als neuropharmakologischem Forschungswerkzeug geweckt (Verständnis des körpereigenen Opioidsystems, Forschung zu Depression und Sucht). Dieses legitime biomedizinische Interesse rechtfertigt in keiner Weise den Verkauf der Pflanze an die breite Öffentlichkeit.

Zwischen 2002 und 2010 verboten oder beschränkten mehrere Länder Salvia divinorum: Australien (2002), Belgien (2006), Dänemark (2003), Deutschland (2008), Italien (2005), Japan (2007), Russland (2010), mehrere US-Bundesstaaten. Diese Verbote — oft ausgelöst durch die Viralität von YouTube-Videos von Jugendlichen in akuter Desorientierung — hatten eine paradoxe Wirkung: Sie schützten die breite Öffentlichkeit rechtlich, behinderten aber auch die legitime wissenschaftliche Forschung und stigmatisierten die Pflanze, ohne den ursprünglichen mazatekischen Rahmen je in einen Kontext zu stellen.

Das pharmakologische Profil — warum der Rahmen nicht verhandelbar ist

Salvinorin A hat ein Profil, das aus den üblichen Kategorien herausfällt. Es ist das einzige bekannte bedeutende Psychedelikum, das selektiv auf die Kappa-Opioid-Rezeptoren (KOR) wirkt statt auf die serotonergen 5-HT2A-Rezeptoren wie die klassischen (Psilocybin, LSD, Meskalin, DMT).

  • Wirkstärke: aktiv bei mikroskopischen Dosen (200–1.000 Mikrogramm inhaliert für eine psychedelische Wirkung). Es gehört, bezogen auf das absolute Gewicht, zu den wirkstärksten bekannten psychoaktiven Verbindungen.
  • Dauer: sehr kurze Wirkungen beim Inhalieren (5–15 Minuten akute Wirkung, 30–60 Minuten Erholung). Länger auf dem traditionellen mazatekischen Weg (ein sublinguales quid, 30–60 Minuten volle Wirkung).
  • Phänomenologie: tiefgreifende dissoziative Wirkungen, Verlust des Körpergefühls, ein Gefühl der Verschmelzung mit Objekten oder mit einem anderen 'Territorium', manchmal intensive Angst, oft akute zeitliche Verwirrung.
  • Physiologische Sicherheit: keine akute Organtoxizität bei realen menschlichen Dosen dokumentiert. Das Hauptrisiko ist verhaltensbezogen (vorübergehender Verlust der motorischen Koordination) und psychiatrisch (eine intensive dissoziative Episode, möglicherweise traumatisch).
  • Keine anhaltende Toleranz und keine dokumentierte pharmakologische Abhängigkeit — anders als viele andere Opioide scheint der KOR keine klassische Abhängigkeit zu erzeugen.

Dieses Profil — extreme Wirkstärke + Kürze + tiefe Dissoziation — ist der Grund, warum der traditionelle mazatekische Rahmen so präzise ist. Die curandera, die Wache hält, der Gesang, der verankert, die Dunkelheit, die umschließt, das sublinguale quid, das langsam dosiert, die genaue Dauer — zusammen bilden sie einen phänomenologischen Sicherheitsapparat, den 'es zu Hause zu rauchen' vollständig aufhebt.

Warum wir ablehnen — TL;DR

Visionäre Arbeit bietet INFUSE über langsamere Wege an — zeremonieller Kakao, Beifuß, Blauer Lotus, Wilder Lattich. Ihre Langsamkeit ist ihre Stärke. Salvia divinorum wird niemals im Shop sein: vier Gründe, untrennbar, die zusammenhalten.

  1. Der mazatekische Rahmen ist nicht optional. Salvia divinorum (Pastora del Cielo, Hierba María, Ska María) gehört zur zeremoniellen Pharmakopöe der mazatekischen curanderas von Oaxaca. Aus diesem Rahmen herausgehoben, ist sie nicht dieselbe Pflanze — sie wird zu dem, was María Sabina selbst 1968 anprangerte: ein Objekt des spirituellen Tourismus, das die Linie der Weitergabe zerbricht.
  2. María Sabinas Warnung ist dokumentiert und ausdrücklich. Nachdem R. Gordon Wasson 1957 die Psilocybe-Pilze in die Aufmerksamkeit der Welt gerückt hatte und westliche Besucher nach Huautla de Jiménez zu strömen begannen, erklärte María Sabina selbst öffentlich, die hongos hätten ihre Kraft verloren, weil sie ohne Rahmen gemein gemacht worden seien. Diese Warnung gilt vollumfänglich für Salvia divinorum.
  3. Salvinorin A ist ein Molekül mit einem brutalen pharmakologischen Profil. Ein außerordentlich wirkstarker selektiver Kappa-Opioid-Agonist (beim Inhalieren bei 200 Mikrogramm aktiv). Keine im Westen traditionell verwendete Pflanze hat ein vergleichbares Profil. Die Wirkungen sind schnell, desorientierend, manchmal traumatisch — ohne rituellen Rahmen.
  4. Der westliche Handel hat bereits dokumentierten Schaden angerichtet. YouTube-Videos von Jugendlichen in desorientierten Zuständen (oft nackte Panik), überstürzte Verbote in mehreren Ländern, die auch die wissenschaftliche Forschung erschwerten, völlige Unkenntnis des ursprünglichen mazatekischen Rahmens. INFUSE weigert sich, zu dieser Entwicklung beizutragen.

Worum die mazatekische Linie bittet

Mehrere zeitgenössische mazatekische Stimmen formulierten zwischen 2010 und 2024 eine öffentliche Position.

  • Anerkennen, dass La Pastora kein außerhalb ihres rituellen Kontexts übertragbares Produkt ist.
  • Den internationalen Handel stoppen, besonders den Online-Verkauf gänzlich ohne Rahmen.
  • Den historischen Schaden des spirituellen Tourismus an Huautla de Jiménez und den benachbarten Gemeinschaften anerkennen.
  • Die Bemühungen der jüngeren Generationen der Sierra unterstützen, sich die mazatekischen Zeremonien wieder als die ihren anzueignen.
  • 'Traditionen achten' nicht mit 'für die Teilnahme an einer Zeremonie bezahlen' verwechseln — eine Sitzung zu kaufen ist nicht dasselbe wie kulturelle Anerkennung.

INFUSE gibt diese Bitten weiter.

La Pastora lässt sich nicht forttragen. Sie reist nicht mit denen, die nicht zu ihr gegangen sind. Ihr Blatt online zu kaufen heißt, eine Abwesenheit zu kaufen.
— Questions fréquentes —
Ist Salvia divinorum in Frankreich legal?

Nein. In Frankreich durch die Verordnung vom 21. Februar 2005 als Betäubungsmittel eingestuft. Besitz, Verkauf, Einfuhr, Anbau und Transport sind verboten. Es drohen schwere strafrechtliche Sanktionen.

Warum hat das 'Rauchen von Salvia' Jugendliche traumatisiert?

Weil genau diese Art des Gebrauchs durch die Pharmakologie von Salvinorin A gefährlich wird — Inhalation = ein extrem schneller Plasmagipfel, akute dissoziative Wirkungen innerhalb von Sekunden, ganz ohne rituellen Rahmen, oft in einer Gruppe oder allein ohne Vorbereitung. Die YouTube-Videos dokumentieren, was geschieht: nackte Panik, Desorientierung, manchmal bleibendes Trauma.

Wie verwenden die Mazateken die Pflanze?

Auf sublingualem Weg (ein 'quid' aus frischen Blättern, gekaut und unter der Zunge gehalten), bei Nacht, in Stille oder im Gesang, unter der Wache einer curandera während der ganzen Sitzung (30–60 Minuten). Vorbereitung: kein Alkohol, keine Drogen, ein teilweises Fasten, eine klare Absicht. Der Rahmen ist konstitutiv für die Erfahrung.

Können Forscher wissenschaftlich mit ihr arbeiten?

Ja, unter besonderen Genehmigungen für die biomedizinische Forschung (Untersuchung des Kappa-Opioid-Systems, Modelle von Depression, Sucht). Gerahmte wissenschaftliche Forschung ist legitim; sie ist etwas anderes als der Verkauf an die breite Öffentlichkeit.

Haben andere Pflanzen ein ähnliches pharmakologisches Profil?

Keine bekannt. Salvinorin A ist das einzige bedeutende Psychedelikum, das auf die Kappa-Opioid-Rezeptoren wirkt. Diese Einzigartigkeit ist ein weiterer Grund, die Besonderheit der Pflanze und ihren ursprünglichen kulturellen Rahmen zu achten.

Was soll ich tun, wenn ich jemanden kenne, der Salvia 'probieren' will?

Teile diesen Artikel mit ihm. Erkläre das Kappa-Opioid-Profil, die Kürze und Intensität der Wirkungen, die Tatsache, dass sie in Frankreich illegal ist, den kulturellen Schaden. Und wenn die Suche visionär ist, schlage vor, stattdessen die Traumwege zu erkunden (Beifuß, rückverfolgbarer Blauer Lotus, Traumarbeit), die unendlich viel sicherer und lehrreicher sind.

Warum ist der 'mazatekische Rahmen' im Westen nicht reproduzierbar?

Weil er zu einer ganzen Kosmologie gehört (der mazatekischen Sprache, dem katholisch–vorhispanischen Synkretismus, der lokalen zeremoniellen Ökonomie, dem Leben einer von ihrer Gemeinschaft anerkannten curandera und so weiter), die sich nicht 'extrahieren' und 'übertragen' lässt. Den 'mazatekischen Rahmen in Paris rekonstruieren' zu wollen ist zugleich eine technische Illusion und ein Akt kultureller Aneignung.

Könnte INFUSE jemals Salvia divinorum verkaufen?

Nein. Bei dieser Pflanze ist die Ablehnung endgültig, nicht bedingt. Es gibt keine akzeptable 'ethisch rückverfolgbare' Version, denn der mazatekische Rahmen lässt sich nicht übertragen. Unsere ethische Kohärenz verlangt diese dauerhafte Ablehnung.

Fundstücke & Legenden

Die Sierra Mazateca, wo Salvia divinorum wächst, ist eine ökologisch und kulturell bemerkenswerte Region: oaxacanische Nebelwälder, außergewöhnliche botanische Biodiversität und das Volk der Mazateken (heute etwa 200.000 Sprecher), das eine sprachlich isolierte Sprache (die Oto-Mangue-Familie) und eine einzigartige synkretische vorhispanisch–katholische Kosmologie bewahrt.

Huautla de Jiménez, die Weltstadt der modernen mazatekischen Geschichte, wurde durch den psychedelischen Tourismus nach Wasson radikal verwandelt. Heute trägt die lokale Wirtschaft noch eine Spur dieser Geschichte — Buchläden über María Sabina, Kunsthandwerk mit Psilocybin-Motiven, Besucher, die noch immer die 'echte Begegnung' suchen (um den Preis einer gewissen, mitunter unvermeidlichen Theatralik). Die Spannung zwischen Bewahrung und Kommerzialisierung hält an.

Das Wort 'pastora' (Hirtin), auf Salvia divinorum angewandt, spiegelt vermutlich den Synkretismus nach der Eroberung mit der katholischen Mariengestalt wider (die Hirtin-Jungfrau, präsent in mehreren mexikanischen Ikonographien). Vor der Eroberung hatte die Pflanze gewiss einen anderen Namen und eine andere Bezugskosmologie — die nicht bewahrt oder nicht dokumentiert wurden.

Carl Epling (1894–1968), der amerikanische Botaniker, der Salvia divinorum 1962 mitbeschrieb, war einer der weltweit führenden Spezialisten für die Lamiaceae. Seine Arbeit an der UCLA und später am Hercules Botanic Garden trug zum modernen Verständnis der Salbeifamilie bei — doch es war diese späte Beschreibung von Salvia divinorum, die seinen Namen am meisten prägte.

Daniel Siebert, der unabhängige kalifornische Forscher, der Salvinorin A isolierte und sein einzigartiges pharmakologisches Profil in den 1990er Jahren charakterisierte, ist unter den westlichen Wissenschaftlern eine der respektvollsten Stimmen gegenüber dem mazatekischen Rahmen geblieben. Seine Website, SagewiseMedicine.org, pflegt eine rigorose, ausgewogene, antikommerzielle Wissensbasis.

Bia Labate (die brasilianische Anthropologin, Gründerin des Chacruna Institute) ist eine der großen zeitgenössischen akademischen Stimmen zu den Meisterpflanzen. Ihre Arbeit formuliert die Frage, 'wie die westlichen Wissenschaften indigene Medizinen respektvoll erforschen können, ohne an ihrer Enteignung teilzunehmen'. Salvia divinorum ist einer ihrer philosophischen Prüfsteine.

Das Phänomen 'YouTube-Salvia' der mittleren 2000er Jahre — virale Videos von Jugendlichen, die Salvia rauchen und in desorientierte oder panische Zustände fallen — ist ein Lehrbuchfall umgekehrten pharmazeutischen Marketings: ein legales Produkt (damals in mehreren Ländern legal) wird zum viralen Trend, richtet echten Schaden an und löst eine Welle überstürzter Verbote aus, die nichts an der kulturellen Substanz lösen.

Die Gesänge (icaros bei den amazonischen Shipibo, cantos bei den mazatekischen curanderos), die die mazatekischen Zeremonien begleiten, sind nicht musikalisch im westlichen Sinn — sie sind strukturell in die Pharmakologie der Erfahrung eingewoben. Der Gesang leitet, verankert, umschließt, öffnet, schließt. Ohne den Gesang verliert die Erfahrung ihren Kompass.

Die mazatekische Pharmakopöe umfasst nicht nur Salvia divinorum und Psilocybe, sondern auch Turbina corymbosa (semillas de la Virgen), Ipomoea violacea (badoh negro), Mapacho-Tabak, Copal und viele nicht-psychoaktive Heilpflanzen. La Pastora gehört in diese vollständige zeremonielle Ökologie, nicht als isoliertes Produkt.

Pour aller plus loin.
Manifest
Ethisches Manifest 2026 von INFUSE — unsere 30 Absagen
Der Pfeiler, der all unsere Absagen versammelt — Salvia divinorum ist eine davon, neben Peyote, Ayahuasca, Iboga, Datura.
Whistleblower
Peyote — Aussterben und die Linie der Wixárika
Dieselbe ethische Frage: eine indigene Meisterpflanze, ein Volk, das uns bittet aufzuhören, INFUSE, das sich für die Absage entscheidet.
Alternative
Die Authentizitätskrise des Blauen Lotus 2024
Visionäre Arbeit in einem klaren Rahmen: verifizierter Blauer Lotus, transparente Herkunft, ohne jede dissoziative Dimension.
Alternative
Kakao 2003 — Anatomie einer Erfindung
Zeremonieller Kakao als Weg zur Öffnung des Herzens in einem klaren Maya-Rahmen, ohne Kurzschluss.

Hauptquellen

  • Epling, C. & Játiva-M., C. — A new species of Salvia from Mexico. Botanical Museum Leaflets, Harvard University, 20(3), 1962.
  • Wasson, R. G. — A new Mexican psychotropic drug from the mint family. Botanical Museum Leaflets, Harvard, 20(3), 1962.
  • Wasson, R. G. — Notes on the present status of Ololiuhqui and the other hallucinogens of Mexico. Botanical Museum Leaflets, 1963.
  • Estrada, Á. — María Sabina: vida y cantos. Siglo XXI Editores, México, 1977 (echte Gespräche mit María Sabina).
  • Wasson, R. G. — The wondrous mushroom: mycolatry in Mesoamerica. McGraw-Hill, 1980.
  • Siebert, D. J. — Salvia divinorum and salvinorin A: New pharmacologic findings. Journal of Ethnopharmacology, 43(1), 1994.
  • Roth, B. L., Baner, K., Westkaemper, R., Siebert, D., et al. — Salvinorin A: A potent naturally occurring nonnitrogenous κ opioid selective agonist. PNAS, 99(18), 2002.
  • Valdés, L. J., Díaz, J. L., & Paul, A. G. — Ethnopharmacology of Ska María Pastora (Salvia divinorum). Journal of Ethnopharmacology, 7(3), 1983.
  • Labate, B. C. & Cavnar, C. (Hrsg.) — Plant Medicines, Healing and Psychedelic Science. Springer, 2018.
  • Schultes, R. E. & Hofmann, A. — Plants of the Gods: Their Sacred, Healing and Hallucinogenic Powers. Healing Arts Press, überarbeitete Ausgabe 2001.
  • Reisfield, A. S. — The botany of Salvia divinorum. SIDA Contributions to Botany, 15(3), 1993.
  • Chacruna Institute — Akademische Publikationen zur Ethik der Meisterpflanzen, 2017–2024.

Sekundärquellen

  • Furst, P. T. — Hallucinogens and Culture. Chandler & Sharp, 1976 — mexikanische Kapitel.
  • Munn, H. — The mushrooms of language. In Hallucinogens and Shamanism (Furst Hrsg.), 1972.
  • Boyer, P. — Et l'homme créa les dieux. Robert Laffont, 2001 — zum Verständnis der kognitiven Rahmen indigener Kosmologien.
  • Halpern, J. H. & Lerner, A. G. — Hallucinogen persisting perception disorder and Salvia. Psychiatric Clinics of North America, 2007.
  • Daniel Siebert — The Salvia divinorum Research and Information Center (Website, aktualisiert 1996–2024).
  • Centro de Investigación y Atención al Adolescente, Universidad de Guadalajara — Studien zum Phänomen 'YouTube-Salvia', 2008–2012.
  • ANSM (Frankreich) — Offizielle Dokumentation zur Einstufung von Salvia divinorum als Betäubungsmittel (2005).
  • Regionales Pharmakovigilanzzentrum — Berichte über Salvia-divinorum-Fälle (2005–2015).

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Salvia divinorum — die mazatekische Pastora del Cielo ist keine Pflanze, die sich von ihrem zeremoniellen Rahmen lösen ließe. María Sabina selbst hatte gewarnt: aus ihrer Linie herausgelöst, verliert die Medizin ihre Reinheit. INFUSE lehnt endgültig ab.

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